Montag, 26. September 2016

Grundrezept: Guacamole

Während ich diesen Beitrag schreibe, stehe ich quasi schon in den Startlöchern, sitze auf gepackten Koffern und kann meine Aufregung kaum noch im Zaum halten, denn: Übermorgen geht es für uns für 10 Tage nach New York! Mein letzter Besuch im Big Apple ist jetzt fast 20 Jahre her, und obwohl ich damals erst zarte 10 Jahre alt war, sind die Erinnerungen an die Tage in New York in mir noch viel lebendiger als die Bilder aus vielen späteren Urlauben. Auch schon damals war diese Reise für mich etwas ganz Besonderes, ich habe die Atmosphäre, die vielfältigen Eindrücke, die Menschen, die Gerüche, den Geschmack der Speisen, einfach alles in mich aufgesogen und bin auch 20 Jahre später problemlos in der Lage, kleinste Details zu rekapitulieren. Ein Mitarbeiter in unserem damaligen Hotel an der Park Avenue sagte seinerzeit zu mir: "Jetzt bist du ein kleines Mädchen, aber du wirst sicher irgendwann wieder nach New York zurückkommen, und dann bist du schon eine junge Dame." Ok, ob ich nun noch als junge Dame durchgehe, sei dahingestellt (in den Augen dieses wenigstens 40 Jahre älteren Herrn wahrscheinlich schon), aber fest steht: Ich komme zurück! Und ich bin wahnsinnig gespannt darauf, wie ich die Stadt nun, 20 Jahre später, wahrnehmen werde. (In einem Punkt bin ich mir relativ sicher: Im Gegensatz zu damals werde ich sicher nicht die Chance auf eine Shoppingtour verstreichen lassen, weil ich lieber im Hotelzimmer bleiben und Super Mario Land 2 auf dem Gameboy spielen möchte... ^^)


Während ich meine Aufregung nur mühsam niederkämpfe, mir jede Minute neue Dinge einfallen, die ich noch einpacken oder organisieren sollte und ich unserem Abflug übermorgen Mittag entgegen fiebere, lasse ich euch noch ein schnelles Rezept da - nämlich mein Grundrezept für Guacamole sowie ein paar Ideen dafür, wie man ihr mit wenigen Zutaten noch einen anderen Twist verleihen kann. Ich liebe ja ungefähr alles mit Avocado und Guacamole auf knusprigem Brot, mit Tortilla-Chips zum Dippen oder aber zu Wraps könnte ich einfach immer essen! Neben der Qualität der Avocados (schön reif und nussig im Geschmack, am besten eignet sich die Sorte Hass) ist für eine leckere Guacamole meiner Meinung nach vor allem entscheidend, dass ihr die Zutaten nicht zu fein zerdrückt, sondern sie noch eine leicht stückige Konsistenz haben - so schmeckt es mir am besten!


In mein Grundrezept gehören nur fünf simple Zutaten: Avocados, Knoblauch, Limettensaft, Salz und Pfeffer. Je nach Lust und Laune können aber noch hinein: fein geschnittene Frühlingszwiebelringe, Tomatenstückchen, Korianderblätter - und unterschiedliche Gewürze. Ich würze je nach Lust und Laune mal mit Chiliflocken, mal mit geräuchertem Paprikapulver, einer Currymischung oder der nordafrikanischen Gewürzmischung Baharat. Ok, authentisch mexikanisch ist das alles nicht mehr, aber wer wird denn da so streng sein ;-) Daher ist dies heute weniger ein ganz konkretes Rezept als ein Einladung an euch, auszuprobieren, womit und wie euch die Guacamole am besten schmeckt. Habt ihr ein Favoriten-Rezept, das ich einmal testen sollte?

Damit verabschiede ich mich jetzt erst einmal in den Urlaub, habe aber in der Zeit eine tolle Bloggerin bei mir auf dem Blog zu Gast - mehr erfahrt ihr in den nächsten Tagen! Und wenn ihr Lust habt, mich auf meiner Reise zu begleiten (ich würde mich freuen!), dann schaut doch immer mal auf meiner Facebook-Seite vorbei :-)

Rezept
für 4 - 6 Personen zum Dippen oder aufs Brot

Pflichtzutaten
2 Avocados
2 Knoblauchzehen
2 - 3 EL Limettensaft
Fleur de Sel oder anderes leckeres Meersalz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle

optionale Zutaten
2 Frühlingszwiebeln
1 Tomate
einige Blätter Koriander
Chiliflocken oder
geräuchertes Paprikapulver oder
Curry-Mischung oder
Baharat

Avocados halbieren, Kern herauslösen, dann das Fruchtfleisch mit einem Löffel herauskratzen. Fruchtfleisch mit einer Gabel grob zerdrücken, aber nur so stark bearbeiten, dass noch kleine Stückchen vorhanden sind. Nach Belieben Frühlingszwiebeln putzen, waschen und in feine Ringe schneiden, dazu geben. Tomate waschen, vierteln, Kerne herauskratzen (werden nicht verwendet), das Fruchtfleisch fein würfeln und dazu geben.

Knoblauch schälen, fein hacken, ebenfalls dazu geben. Alle Zutaten gut mischen. Limettensaft zugeben (erst mal weniger, dann ggf. noch etwas dazu geben) und abschmecken, ob die Guacamole säuerlich-frisch genug schmeckt. Guacamole mit Salz und Pfeffer abschmecken, dann ggf. ein weiteres Gewürz dazu geben und erneut abschmecken. Zum Schluss nach Belieben Korianderblätter waschen, trocken schütteln, fein hacken und zur Guacamole geben.

Guacamole am besten sofort verzehren, da sie bereits nach recht kurzer Zeit beginnt braun zu werden und dann nicht mehr ganz so schön aussieht.

Quelle
eigenes Rezept

Sonntag, 18. September 2016

Travelguide für Prag: 24 Stunden in der Metropole an der Moldau

Ich liebe es zu verreisen und wenn ich von einer Reise zurückkomme, plane ich am liebsten gleich den nächsten Urlaub! Wenn es zwischen zwei Reisen doch mal für meinen Geschmack etwas länger dauert, wie etwa jetzt zwischen unserem Portugal-Urlaub Anfang Juni und unserer Reise nach New York Ende September, dann behelfe ich mir gerne mit einem Kurztrip. Dabei muss es gar nicht weit weg gehen - auch im Umkreis von ein bis zwei Stunden finden sich viele lohnenswerte Ziele. Von meiner Heimatstadt Dresden aus ist etwa die tschechische Hauptstadt Prag in knapp zwei Stunden zu erreichen, und sie lohnt immer wieder einen Besuch!


Aufgrund der Nähe zu Dresden war ich natürlich schon einige Male in Prag, und dank einer tschechischen Freundin, die ich im Studium kennengelernt habe, bin ich auch schon zu dem ein oder anderen Geheimtipp in der "Goldenen Stadt" geführt worden. Gefallen hat es mir immer super, und so habe ich natürlich nicht nein gesagt, als sich Anfang August die Gelegenheit ergab, mit einer Freundin nach Prag zu reisen. Die Herausforderung: Meine Reisebegleitung war noch nie in Prag, und wir hatten gerade mal 24 Stunden, um die Hauptsehenswürdigkeiten zu besuchen und natürlich lecker zu essen und zu trinken! Heute habe ich euch daher meinen Guide für einen (vollgepackten) Tag in der tschechischen Hauptstadt mitgebracht. Auch wenn ihr länger in der Stadt seid (was ich euch sehr wünsche), ist mein Guide gut geeignet, um am ersten Tag einen Überblick zu bekommen - oder aber um das Programm auf mehrere Tage zu strecken und sich überall mehr Zeit zu lassen :-)


Wir kommen mit dem Bus aus Dresden am Prager Busbahnhof an, der sich direkt an der U-Bahn-Station Florenc westlich des Stadtzentrums befindet. Am Busbahnhof kann man auch gleich Geld tauschen bzw. mit Kreditkarte am Geldautomaten abheben und dann mit der U-Bahn weiter in die Stadt fahren. Wir wollen zunächst einmal etwas Gepäck loswerden und begeben uns daher zu unserem Hotel, das nur drei U-Bahn-Stationen entfernt in der Nähe des Bahnhofs I.P. Pavlova liegt. Das Dahlia Inn ist ein kleines, einfaches Hotel mit nur wenigen Zimmern, das im zweiten Stock eines Wohnhauses liegt. Es punktet mit hübsch eingerichteten Zimmern, modernen Bädern, der Nähe zur Innenstadt und dem unschlagbar günstigen Preis von 48 Euro pro Nacht fürs Doppelzimmer. Ein paar Abstriche muss man machen (etwa eine nur tagsüber besetzte Rezeption oder ein recht lahmes WLAN), aber für eine Nacht soll uns das nicht stören. Wir werden herzlich empfangen und bekommen gleich Tipps für unseren Tag in Prag, die sich jedoch ziemlich genau mit der Tour decken, die ich mir schon ausgedacht hatte ;-)


Da wir nur so wenig Zeit haben, fackeln wir nicht lange und begeben uns in die Stadt. Wir haben uns entschieden, unseren Stadtrundgang auf dem Hradschin, der Prager Burg oben über dem anderen Moldau-Ufer, zu beginnen. So können wir vom Burgberg herunter laufen und müssen nicht bergauf, was sich bei Temperaturen von über 30 Grad als praktisch erweist. Zur Burg fahren wir mit der Straßenbahn-Linie 22, die direkt vor unserem Hotel abfährt und uns für günstige knapp 40 Cent pro Person in 25 Minuten bis zur Haltestelle Praszky Hrad direkt gegenüber dem Eingangstor zur Burg bringt. Auch die Straßenbahnfahrt lohnt sich schon, denn man genießt sehr hübsche Ausblicke auf die Moldau und die kleinen Sträßchen der Kleinseite, dem Stadtteil am linken Moldau-Ufer. Vor der Besichtigung der Burg wollen wir uns noch stärken. Das geht z.B. im Bistro Lví Dvůr, das direkt gegenüber der Straßenbahnhaltestelle liegt (es gehört zum gleichnamigen Restaurant, dessen Eingang um die Ecke liegt). Dort gibt es leckere gegrillte Panini, Sandwiches, Baguettes, Quiches, und auch die Kuchen, Torten, Zimtschnecken, etc. sehen einfach traumhaft aus!


Anschließend geht es auf das Burggelände, wo kurz unsere Rucksäcke kontrolliert werden und wir dann passieren dürfen. Die Wachablösung am Tor zum ersten Burghof haben wir leider verpasst, aber macht nichts, es gibt ja auch sonst noch viel zu sehen! Wir schlendern durch die Burghöfe und bestaunen den Veitsdom, die Sankt Georgsbasilika und das Palais Lobkowicz. Da das Wetter so herrlich ist und wir an einem Tag möglichst viel von der Stadt sehen wollen, entscheiden wir uns, keine der Sehenswürdigkeiten von innen zu besichtigen. Wer mehr Zeit mitgebracht hat, kann neben den genannten Gebäuden auch noch durch das Goldene Gässchen streifen, ein Sträßchen mit kleinen, bunten Häusern am Rand der Burganlage, in dem einst Franz Kafka gewohnt hat. Hierfür ist aber ebenfalls die Entrichtung eines Eintrittsgeldes erforderlich.


Wir halten uns stattdessen weiterhin an die kostenlosen Freuden - zum Beispiel an den herrlichen Ausblick über Prag, der sich rechts von uns eröffnet, nachdem wir die Burganlage durch das Tor beim Palais Lobkowicz verlassen. Dieser Blick ist einfach unbeschreiblich schön, also lassen wir ein paar Bilder sprechen...



Für uns geht es nun den Berg hinab bis zur Metro- und Straßenbahnhaltestelle Malostranská. Von dort aus bietet es sich an, einfach ein bisschen ziellos durch die kleinen Straßen und Gässchen und über die idyllischen Plätze der Kleinseite zu streifen. Am besten man beginnt an der Brücke Mánesův Most und streift durch das Gässchengewirr bis etwa auf die Höhe der Brücke Most Legií. Von dort aus kann man sich dann am Ufer entlang zurück orientieren, bis man an der berühmten Karlsbrücke landet.



Natürlich gibt es in diesem Bereich Prags noch so viel mehr zu sehen, von Kirchen und Klöstern über mittelalterliche Bauwerke, Museen, die Botschaften zahlreicher Länder bis hin zu niedlichen Läden, Cafés und Restaurants. Aber wir erinnern uns: Wir haben ja nur 24 Stunden Zeit! An der Karlsbrücke treffen wir dann endlich unsere Prag-Expertin, meine Prager Freundin Kristina. Und auch dieses Mal - uns steht bei den heißen Temperaturen dringend der Sinn nach einem leckeren Eis - hat sie wieder einen echten Geheimtipp für uns!



Wir schlendern gemeinsam über die Karlsbrücke zum rechten Moldau-Ufer und begeben uns in das Gewirr der Altstadtgassen. Schon bald geht es rechts ab in eine unscheinbare Gasse und wir stehen vor der in Kristinas Augen besten Eisdiele von Prag, Crème de la Crème. Ein kleiner Laden, optisch nichts Besonderes, aber die lange Schlange lässt schon ahnen, dass es sich lohnt, hierher zu kommen. Kaum zu glauben, aber das Eis kommt qualitativ tatsächlich an die super-guten Eisdielen heran, die wir letztes Jahr in Rom ausprobiert haben, etwa Grom oder Fatamorgana! Das Passionsfrucht- und das Grapefruit-Sorbet erfrischen mich wirklich herrlich und schmecken sooooooooo wahnsinnig fruchtig und lecker! Ein Tipp noch für euch, auch wenn es nicht auf der Karte bzw. an den Wandtafeln steht: Bestellt euch einen Eiskaffee! Ihr könnt die Eissorte wählen (ich empfehle das herrlich dekadente Schokoeis) und obenauf kommt Milchschaum statt Sahne. Wenn sich dann kalter Kaffee, cremig-milchiges Schokoeis und Milchschaum vermischen, ist das einfach nur traumhaft :-)


Für uns geht es frisch gestärkt bzw. erfrischt weiter in die Altstadt, wo wir uns auf dem Altstädter Ring zusammen mit Hunderten anderer Touristen, davon gefühlt 90 Prozent Japaner, die tanzenden Figuren an der astronomischen Uhr am Rathaus anschauen. Das Schauspiel findet zu jeder vollen Stunde statt (10 Minuten vorher da sein, um einigermaßen was sehen zu können, ist empfehlenswert), dauert dann zwar nur geschätzte 10 Sekunden, aber man muss es mal mitgemacht haben ;-) Wir laufen anschließend noch weiter durch die Altstadt und begeben uns zuerst in westlicher Richtung ins ehemalige jüdische Viertel (Josefstadt / Josefov). Heute wechseln sich dort alte Synagogen, jüdische Friedhöfe und Museen mit schicken Jugendstilbauten ab, in denen sich teure Designerläden finden. Von der Josefstadt aus holen wir den Bogen über den Pulverturm, von dort aus weiter zum unteren Ende des Wenzelsplatzes und dann die Národní-Straße herunter, bis wir am tschechischen Nationaltheater direkt an der Moldau stehen. Nun wird es Abend, unsere Füße tun nach knapp 15 Kilometern zu Fuß quer durch die Stadt weh und wir haben Hunger...


...wie gut, dass uns Kristina, von der wir uns zwischenzeitlich leider schon wieder verabschieden mussten, einige Tipps für den Abend da gelassen hat. Uns schwebt ein typisch tschechisches, deftiges Essen vor, und so kehren wir ins Restaurant Kozlovna U Paukerta ein. Das Lokal mit traditionell tschechischer Küche gehört wohl zu einer Kette mit mehreren Filialen in Prag, aber das macht sich überhaupt nicht negativ bemerkbar. Die Atmosphäre ist urig, der Service freundlich und schnell, und die Karte hält das bereit, wonach uns der Sinn steht: einen kräftigen Biergulasch mit Semmelknödeln! Das Fleisch ist wunderbar zart und zergeht auf der Zunge, die Sauce ist dicklich-sämig und kräftig im Geschmack, und die Knödel sind keine typisch böhmischen Serviettenknödel, sondern tatsächlich Semmelknödel, was ich noch einen Tick lieber mag. Zusammen mit einem schönen Schwarzbier vom Fass meiner Meinung nach ein Gedicht!


Trotz müder Füße geht es anschließend noch zu einem kleinen Spaziergang ans Moldau-Ufer, denn so können wir den Ausblick auf die beleuchtete Burg in der Dämmerung genießen...


Und zu guter Letzt wollen wir den Tag bei einem (oder zwei, oder drei...) Cocktails ausklingen lassen! Kristina hatte uns dafür die auch bei Tripadvisor hochgelobte Hemingway Bar empfohlen. Sicher ist sie sehr gut, doch wir kehren nicht dort ein, da sie nur Innenplätze hat und wir den herrlichen Sommerabend am liebsten draußen genießen wollen. Wir folgen daher stattdessen dem Tipp der Empfangsdame im Dahlia Inn und begeben uns zum Kai am Moldau-Ufer etwa ab der Brücke Jiráskův Most, wo ca. 10 zu Cocktailsbars umfunktionierte Schiffe ankern. Auch am Ufer ist an diesem warmen Sommerabend einiges los, an den Kais verkaufen kleine Bars Getränke, auf Bühnen treten Bands auf, Menschen sitzen überall auf dem Boden und direkt am Wasser und lassen es sich gut gehen. Auf einem der Schiffe Platz zu finden ist gar nicht so einfach und gelingt uns erst beim letzten Schiff in der langen Reihe. Die Schiffe sind alle von unterschiedlichen Spirituosen-Marken gebrandet, was sich in der Auswahl der Getränke niederschlägt. Wir landen auf dem Absolut Vodka-Schiff, das als Special viele Drinks mit der neuen Sorte Absolut Coconut anbietet. Gegen Wodka und Kokos haben wir rein gar nichts einzuwenden, gut getroffen! Zu wiederum unschlagbar günstigen Preisen genießen wir unsere Cocktails sowie den Ausblick auf das nächtliche Prag und denken an einen wunderschönen Tag in der tschechischen Hauptstadt zurück. Wie schade, dass es am nächsten Tag schon zurück nach Dresden geht!


Ich hoffe, dir hat mein 24-Stunden-Guide für Prag gefallen und du konntest einige Inspirationen für eine Reise in die "Goldene Stadt" mitnehmen. Warst du schon mal in Prag und was hat dir besonders gefallen?

Alle Hotel- und Restauranttipps sind meine eigenen Empfehlungen und nicht mit den Hotels und Restaurants abgesprochen, von ihnen beeinflusst oder gesponsert.

Freitag, 9. September 2016

Kirsch-Mohnkuchen mit Marzipanstreuseln

Liebt ihr Mohnkuchen auch so sehr wie ich? Als ich noch in Leipzig gewohnt habe, habe ich ganz in der Nähe des Markts gearbeitet, wo auch (der Name verrät es) immer dienstags und freitags der Wochenmarkt stattfand. Dort habe ich immer in der Mittagspause meine Obst- und Gemüseeinkäufe erledigt und mir auch gerne mal am Fischstand ein Brötchen mit Räucheraal und Honig-Senf-Sauce gekauft. Freitags gab es neben meinem geliebten Fischbrötchen aber noch ein weiteres Highlight, nämlich den Stand eines Handwerksbäckers aus dem Leipziger Umland, der ganz fantastische Kuchen hatte. Nichts Besonderes eigentlich... Butterstreusel, gefüllten Streusel, Zuckerkuchen, Kirmeskuchen, Eierschecke, Kirsch- und Pflaumenkuchen... und natürlich Mohnkuchen! Diese ganzen großartigen altmodischen Kuchen, die ich nach wie vor deutlich lieber esse als die fancy Triple Chocolate Peanut Butter Brownies mit Salted Caramel Frosting (obgleich ich zu denen ebenfalls nicht nein sagen würde ^^). An den meisten Freitagen konnte ich nicht umhin, mir nach meinem Fischbrötchen noch ein Stückchen Mohnkuchen zu gönnen...


Nun arbeite ich ja wie ihr wisst nicht mehr in Leipzig und es liegt leider weder ein Wochenmarkt noch eine gute Handwerksbäckerei auf meinem Arbeitsweg. Fürs Brot habe ich mittlerweile eine Lösung gefunden und bestelle es immer mit meiner Gemüsekiste. Das Brot kommt von einer Biobäckerei aus dem Dresdner Umland und schmeckt wirklich super! Leider kann ich jedoch keinen Kuchen mitbestellen, und selber backen macht ja zugegebenermaßen auch eine Menge Spaß. Nun wurde es also Zeit, dass mal wieder ein Mohnkuchen den Weg in meinen Ofen findet. Da ich noch ein Glas Sauerkirschen im Vorrat hatte, habe ich nach einem Rezept gesucht, in dem ich diese mit verwerten konnte. Und zu Marzipanstreuseln und wie gut sie zu Mohnkuchen passen, muss ich ja fast nichts sagen, oder?


Der Kuchen ist lecker-saftig und die knusprigen Streusel mit ihrem dezenten Marzipangeschmack harmonieren einfach super damit! Aber Achtung: Der Kuchen ist richtig, richtig mächtig. Nach einem Stück lag ich pappsatt in der Ecke und wollte mich am liebsten nicht mehr bewegen. Aber für den leckeren Mohn-Marzipan-Geschmack hat es sich gelohnt, und gerade jetzt am Wochenende dürfen wir ja mal faul sein, oder?

Rezept
für eine Springform (26 cm Durchmesser)

600g Sauerkirschen (aus dem Glas)
200g Marzipanrohmasse
500g Mehl
1/2 TL Backpulver
250g Zucker
3 TL Vanillezucker
1 Prise Salz
250g Butter
7 Eier (Größe M)
3 EL Semmelbrösel
400g Schmand
2 Beutel backfertige Mohnfüllung (à 250g)
1 Päckchen Puddingpulver Vanille-Geschmack (zum Kochen)

Puderzucker zum Bestäuben
Fett für die Form

Backofen auf 175 Grad vorheizen. Kirschen gut abtropfen lassen. Für die Streusel Marzipan grob raspeln. Mehl, Backpulver, Zucker, Vanillezucker und Salz in einer großen Rührschüssel mischen. Butter in Flöckchen, Marzipanraspel und 1 Ei zufügen. Erst mit den Knethaken des Handrührgerätes, dann kurz mit den Händen zu Streuseln verarbeiten.

Ca. 2/3 der Streusel gleichmäßig in einer gut gefetteten Springform (26 cm Durchmesser, 6 cm hoch) verteilen. Boden und einen ca. 3 cm hohen Rand andrücken. Mit Semmelbröseln bestreuen, Kirschen darauf verteilen.

Schmand, Mohnfüllung, 6 Eier und Puddingpulver gut verrühren. Gleichmäßig über die Kirschen verteilen und glatt streichen. Restliche Streusel fein zerbröseln und daraufgeben. Im vorgeheizten Backofen auf unterer Schiene ca. 1 1/4 Stunden backen. Die letzten ca. 15 Minuten der Backzeit Kuchen mit Alufolie bedecken.

Aus dem Ofen nehmen, auf ein Kuchengitter setzen und auskühlen lassen. Anschließend vorsichtig aus der Form lösen. Mit Puderzucker bestäuben.

Quelle
leicht abgewandelt nach lecker.de

Donnerstag, 25. August 2016

Spicy Pulled Lachs mit grünem Couscous und Joghurtsauce

Pulled Pork, Pulled Beef & Co. erfreuen sich ja seit einiger Zeit großer Beliebtheit und ich kann es gut verstehen, denn das zarte, saftige und kräftig gewürzte Fleisch schmeckt wirklich klasse! (Auch wenn ich, ganz im Vertrauen, ein klassisches Rindfleisch-Burgerpatty einem Burger mit Pulled-Irgendwas immer vorziehen werde.) Aber was mit Fleisch geht, das lässt sich auch super mit Fisch machen! Gerade fettreiche Fischsorten mit "schuppigem" Fleisch (Nennt man das auf Deutsch so? => Englisch: flaky) eignen sich ganz hervorragend dafür, z.B. Lachs. Ein weiteres Plus ist, dass es viel schneller geht als mit Fleisch, denn hier muss nichts 12 Stunden lang gesmoked werden o.ä. Es reicht, den Fisch mit Gewürzen einzureiben, zu braten und dann mit zwei Gabeln zu zerzupfen - fertig! Der Lachs hat eine richtig schön knusprig-würzige Kruste und ist ansonsten herrlich saftig.


Dazu passen erfrischend-leichte Beilagen besonders gut. Ich habe den Lachs mit einem grünen Couscous mit Erbsen, Petersilie und Minze sowie einer Kräuter-Joghurtsauce kombiniert. Ein schnell gemachtes, frisches und leichtes Sommergericht, das uns absolut überzeugt hat!

Rezept
für vier Personen

für den Lachs
600g Lachsfilet (ohne Haut)
1/2 TL Chilipulver
1 TL Kreuzkümmel
1 TL Salz
2 EL Olivenöl

für den Couscous
200g Couscous
1 TL Bio-Gemüsebrühepulver
100g TK-Erbsen
1 Bund Petersilie
2 Zweige Minze
Saft von 1/2 Zitrone
3 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer aus der Mühle

für die Sauce
250g Vollmilchjoghurt (z.B. griechischer Joghurt)
2 Knoblauchzehen
1 Zweig Minze
Salz, Pfeffer aus der Mühle

Couscous in eine Schüssel geben und mit dem Gemüsebrühpulver vermischen. Wasser erhitzen und so viel Wasser über den Couscous geben, dass er gerade so bedeckt ist. In der Zwischenzeit Erbsen in Wasser nach Packungsanweisung garen, abgießen und abschrecken. Mittlerweile müsste der Couscous die Flüssigkeit aufgesogen haben. Couscous mit einer Gabel auflockern, Erbsen zugeben. Kräuter waschen, trocken schütteln und fein hacken, zum Couscous geben. Alles gut mischen und Couscous mit Zitronensaft, Olivenöl, Salz und Pfeffer abschmecken.

Für die Sauce Joghurt in eine Schüssel geben. Knoblauch schälen, sehr fein hacken und zum Joghurt geben. Minze waschen, trocken schütteln, fein hacken und ebenfalls dazu geben. Joghurtsauce gut umrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Für den Lachs Fisch waschen und trocken tupfen. Gewürze in einer kleinen Schüssel vermischen. Lachs von beiden Seiten mit den Gewürzen einreiben. Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen und Lachs darin bei mittlerer Hitze von jeder Seite 5 - 6 Minuten braten. Dann Lachs aus der Pfanne nehmen, auf einen Teller legen und mit zwei Gabeln grob zerzupfen.

Lachs mit Couscous und Sauce anrichten. Wer wie ich anrichten möchte, der gibt den Couscous in kleine Portionsschälchen, die auf die Teller gestürzt werden. Anschließend mit einem breiten Pinsel (z.B. Backpinsel) mit der Sauce eine Linie oder Wellenlinie auf den Teller malen. Lachs auf dieser Linie anrichten.

Quelle
inspiriert von einem Rezept aus Lecker 7+8/2015

Sonntag, 21. August 2016

Portugal, Teil 2: Travelguide für Porto & das Dourotal

Nach unserem schönen Wochenende in Lissabon, zu dem ich euch hier schon einen Travelguide & Food Diary verfasst habe, ging es für uns zwar zum Flughafen, aber glücklicherweise noch nicht nach Hause! Stattdessen holten wir unseren Mietwagen ab, um uns anschließend auf den Weg in den Norden Portugals zu machen. Leider sorgte das Mietwagen-Abholen erst einmal für ein bisschen schlechte Stimmung - lange Wartezeiten (die unsere Tagesplanung komplett umgeworfen haben), unfreundliches Personal am Schalter von Sixt und am Ende auch noch ein deutlich schlechter ausgestattetes Auto, als wir es Wochen zuvor reserviert hatten. Dass es auch noch schlecht motorisiert war, merkten wir spätestens, als wir uns in einem unübersichtlichen sechsspurigen Kreisverkehr am Flughafen Lissabon zunächst in die falsche Spur eingeordnet hatten... Trotz teilweise kurioser Verkehrsführung (die uns an einigen Stellen in Portugal aufgefallen ist, besonders in Porto) kamen wir ca. 2,5 Stunden später gut in unserem Ferienhäuschen in Ovar, 30 Kilometer südlich von Porto, an.

Ovar ist eine Kleinstadt, die am nördlichen Teil der Lagune von Aveiro liegt. Es gibt einen eher ländlichen Teil von Ovar einige Kilometer vom Meer entfernt, wo es insgesamt weniger schick ist, sowie einen Stadtteil direkt am Meer bzw. der Lagune, wo die Häuser deutlich mondäner aussehen. Unser Häuschen befand sich im ländlichen Teil, zugegebenermaßen waren wir von der Gegend erst gar nicht so angetan, aber das hübsche Haus und das schöne Grundstück mit Pool, Terrasse, Grillplatz und einem Garten mit Zitronen- und Orangenbäumen konnte dann absolut überzeugen. Wer neugierig ist, kann hier einen Blick auf "unser" Haus werfen. Spätestens ein kurzes Abtauchen im Pool entschädigte mich für den etwas missglückten Anreisetag, und das Problem des schlecht ausgestatteten Autos konnten wir zum Glück am nächsten Tag durch einen Autotausch bei Sixt am Flughafen Porto komplett lösen ;-)

Verwinkelt & facettenreich: Unterwegs in Portos Altstadt

Nach dem kurzen Abstecher zum Flughafen Porto wollten wir die zweitgrößte Stadt Portugals natürlich noch weiter erkunden. Dafür erwies sich der Parkplatz an der Rua Nova da Alfândega direkt am Ufer des Douro als idealer Ausgangspunkt. Der Parkplatz ist sehr zentral gelegen nur wenige Minuten zu Fuß von der Altstadt und ist mit Parkgebühren von ca. 2,50 Euro für sechs Stunden Parkdauer in dieser Lage quasi ein Schnäppchen. Von dort aus bummeln wir am Douro-Ufer entlang und landen wenig später am Cais da Ribeira, der belebten Uferpromenade mit zahlreichen Restaurants, Cafés und Bars. Am Ufer ankern viele der alten hölzernen Schiffe, mit denen früher die Portweinfässer den Fluss hinab nach Porto transportiert wurden und die heute größtenteils für Ausflugsfahrten genutzt werden. Vom Cais aus kann man nicht nur super das geschäftige Treiben beobachten, sondern hat auch einen tollen Blick auf Portos berühmteste Brücke, die Ponte Luís I, auf das Kloster, das sich hoch oben über dem gegenüberliegenden Douro-Ufer erhebt, und auf die Weinkellereien, ebenfalls am anderen Ufer.




Nach diesem ersten faszinierenden Blick geht es für uns querfeldein in die kleinen Gässchen Portos. Wir folgen dabei keiner festen Route, sondern lassen uns einfach spontan treiben. Und das würde ich euch auch empfehlen, denn es gibt in Porto nicht DIE Sehenswürdigkeit an sich, sondern an jeder Ecke gefühlt tausende Dinge zu entdecken! Man spürt und sieht gleich, dass die Stadt ganz anders ist als Lissabon. Es gibt weniger prächtige, herrschaftliche Gebäude (einige aber doch, z.B. das Rathaus oder den Bahnhof São Bento), stattdessen viele alte Häuser, die zwar liebevolle und verspielte Details aufweisen, aber häufig auch in einem recht maroden Zustand sind. Auch die Dichte an richtigen Ruinen ist deutlich höher als in Lissabon. Statt großen Plätzen mit Triumphbögen, Reiterstandbildern, etc. dominieren hier enge Straßen, verwinkelte Gässchen und lauschige kleine Plätze.




Vor allem aber entdeckt man so viele pittoreske Kleinigkeiten, von verschnörkelten Laternen über altmodische Schilder an Geschäften und Wäscheleinen an halb verfallenen Gebäuden bis hin zu Streetart an Stromkästen und anderen Anlagen im Stadtbild. Wir sind wirklich mit offenem Mund durch diese Stadt gelaufen und konnten nicht fassen, wie viele vielfältige Eindrücke gleichzeitig auf uns eingestürmt sind! Es gab so viel zu sehen, zu entdecken, zu fotografieren - manchmal fiel es fast schon schwer, das alles gleichzeitig zu verarbeiten, aber seht selbst...




Hoch hinaus: Teleferico de Gaia und Ponte Luis I

Wenn ihr euch die Altstadt von Porto angeschaut habt (hier hat man jedoch gefühlt nie alles gesehen), lohnt eine Tour zu Fuß über die untere Ebene der Ponte Luís I ans andere Douro-Ufer. Dort befindet ihr euch übrigens technisch gesehen gar nicht mehr in Porto, sondern in Vilanova da Gaia, der direkt gegenüber gelegenen Schwesterstadt Portos. Hier in Gaia, wie die Portugiesen die Stadt kurz und knapp nennen, reihen sich am Ufer die berühmten Weinkellereien, die früher den Portwein vornehmlich auf die britischen Inseln exportiert haben. In vielen kann man Portwein kaufen und auch an Verkostungen teilnehmen. Auch zahlreiche sehr nett aussehende Restaurants finden sich hier, zum Teil sind sie günstiger als drüben in Porto, und man hat den Vorteil, dass man mit wunderschönem Blick auf die Alstadt von Porto speisen kann. 


Unser Ziel ist jedoch ein anderes - die Seilbahn Teleferico de Gaia, die ihre Fahrgäste in kleinen Gondeln für wenige Euro den Berg hinauf zum Kloster Mosteiro da Serra do Pilar bringt. Sowohl aus der Gondel als auch von der Bergstation der Seilbahn aus hat man einen tollen Blick auf Porto und auf die Ponte Luis I. Anschließend führt euch euer Weg am besten über die obere Ebene der Brücke in luftigen 55 Metern Höhe zurück auf die andere Douro-Seite nach Porto. 




Oben in der Altstadt von Porto angekommen, könnt ihr dann an der Kathedrale Sé do Porto und der Igreja de São Lourenço vorbei durch die kleinen Gässchen wieder runter zum Cais da Ribeira gehen. Gern hätten wir noch auf einem der alten Schiffe eine Fahrt auf dem Douro unternommen, aber wir waren recht spät dran - zwar gerade rechtzeitig für die letzte Fahrt des Tages, doch diese findet nur statt, wenn sich mindestens zwölf Personen dafür einfinden. Das war bei uns in der Nebensaison leider nicht der Fall. Aber sei's drum, dann gehen wir eben was Leckeres essen! 

Gutes Essen direkt am Fluss: Café do Cais

Für ein gutes Essen bieten sich viele Restaurants entlang des Ufers an. Uns verschlug es ins Café do Cais, das direkt am Ufer in einem rundum verglasten Gebäude liegt und auch viele Außensitzplätze bietet. Hier genießt man nicht nur den wunderschönen Ausblick, sondern auch gutes Essen zu vertretbaren Preisen - so zumindest unsere Meinung, auch wenn die Bewertungen bei TripAdvisor recht durchwachsen sind. Es handelt sich um portugiesische Gerichte mit Fleisch oder Fisch und Meeresfrüchten, jedoch modern und teilweise auch etwas international interpretiert. Daneben gibt es auch einige leckere Burger auf der Karte. Wir bestellen zur Vorspeise die Greenshell-Muscheln mit Paprika-Vinaigrette und als Hauptgerichte ein gegrilltes Tunfisch-Steak asiatisch inspiriert mit Sesam-Soja-Dip und süßsauer mariniertem Wokgemüse sowie ein Rindersteak mit Pommes und Pfeffersauce. Sowohl die Muscheln als auch die Steaks von Rind und Tunfisch sind perfekt gegrillt bzw. gebraten, saftig und von hervorragender Qualität und auch die Beilagen überzeugen. Der Service variiert leider recht stark je nachdem, an welchen Kellner man gerät - mal flink und zuvorkommend, mal eher träge und schusselig. Aber insgesamt kann ich das Café do Cais aufgrund des guten Essens und des tollen Ausblicks empfehlen!



Grüne Hänge & Nebelschwaden: das Weinanbaugebiet Dourotal

Nachdem in Porto der Portwein durch die alten Schiffe, die Kellereien und die vielen Lokale, die Verkostungen anbieten, bereits allgegenwärtig war, wollen wir uns in unserem Urlaub noch einmal genauer mit diesem Getränk befassen. Und wo könnte das besser gehen als direkt im Anbaugebiet? Dieses liegt entgegen dem, was der Name Portwein vermuten lässt, nicht in Porto, sondern weiter flussaufwärts im Dourotal. Die Anbaugebiete beginnen etwa 30 Kilometer östlich von Porto und erstrecken sich von dort aus ca. 100 Kilometer flussaufwärts Richtung spanische Grenze. Das Dourotal bildet einen starken Kontrast zu der eher kargen Landschaft im Süden Portugals, denn hier ist alles saftig grün, die Berge sind entweder von Weinhängen bedeckt oder dicht bewaldet. Wir stellen allerdings auch gleich fest, woher das kommt... nämlich von jeder Menge Regen! Auch bei unserem Besuch herrscht richtiges Aprilwetter, auf Sonnenschein folgen immer wieder dicke Wolken, eine halbe Stunde schüttet es wie aus Kannen, dann bahnt sich wieder die Sonne ihren Weg... Die ganz leichten Nebelschwaden, die bedingt dadurch durchs Tal ziehen, verstärken die besondere Stimmung jedoch nur noch. Ich fand es im Tal wirklich wunderschön, kurvige Straßen ziehen sich entlang der Berghänge und immer wieder hat man tolle Ausblicke auf den Douro, der sich tief unten im Tal windet. 


Führung & Portweinverkostung in der Quinta da Pacheca

Aber natürlich wollten wir uns die Weinhänge nicht nur von Weitem ansehen, sondern den Portwein auch einmal probieren. Dafür ist eine Führung und Verkostung auf einem Weingut ideal. Viele Weingüter im Dourotal bieten regelmäßig Führungen an, auf den kleineren Gütern muss man sich aber in der Regel vorher anmelden. Da wir unseren Tag spontan planen und uns nicht schon vorab auf einen Ort und eine Zeit festlegen wollen, entscheiden wir uns für den Besuch eines der größten Weingüter im Dourotal, der Quinta da Pacheca in Lamego. Das Gut wurde unlängst als eines der besucherfreundlichsten Weingüter Portugals ausgezeichnet, und das können wir nur bestätigen. Zum Weingut gehören auch ein Hotel und ein Restaurant, beides soll sehr gut, aber entsprechend preisintensiv sein. In der Quinta da Pacheca werden sehr viele Events rund um den Portwein angeboten. Führungen finden den ganzen Tag über zu jeder vollen Stunde in unterschiedlichen Sprachen statt (auch ohne Voranmeldung), und wer möchte, kann besondere Aktivitäten wie eine Wanderung durch die Weinberge oder ein Dinner im Weinkeller buchen.



Als wir in der Quinta ankommen, startet gerade eine französischsprachige Führung. Auch wenn unsere Französischkenntnisse nicht so schlecht sind, entscheiden wir uns, auf die englischsprachige Führung, die eine Stunde später startet, zu warten... so haben wir in der Zwischenzeit (es scheint gerade die Sonne!) noch Gelegenheit für einen Spaziergang durch die Weinberge.



In einer kleinen Gruppe von acht Personen geht es eine Stunde später unter der Leitung unseres sympathischen Guides - einer Oenologie-Studentin aus Südfrankreich, die gerade ihr Praxissemester in der Quinta verbringt - zunächst in die Halle, in der die Trauben in großen Bassins gestampft werden. Das geschieht immer noch in Handarbeit, oder in diesem Fall genauer gesagt in Fußarbeit ;-) Wer im Herbst zu Besuch in der Quinta ist, darf dabei auch mithelfen. Außerdem lernen wir, dass der Brandy, der für die Herstellung des Portweins verwendet wird, aus den Traubenschalen der Vorjahres-Trauben von der Quinta da Pacheca hergestellt wird. Dafür werden die gestampften Traubenschalen nach Spanien gebracht und dort in einer Brennerei zu Brandy verarbeitet, der dann in die Quinta zurückkehrt. Für uns geht es nun in den Weinkeller zu den riesigen Portwein-Fässern. Hmmm, hier riecht es gut! Wir erfahren, dass es neben den uns bekannten beiden Portwein-Sorten (rot/ruby und weiß) auch Rosé-Portwein sowie Tawny Port gibt. Bei letzterem handelt es sich um einen Verschnitt verschiedener Portweinsorten, der in kleineren Fässern reift und häufig ein gewürz- und tabakartiges Aroma hat. Er ist übrigens der einzige Portwein, bei dem man die Flasche über längere Zeit angebrochen lassen und immer mal wieder ein Gläschen davon trinken kann. Alle anderen Portweine sollten wie normaler Wein getrunken werden, also an einem Tag geleert werden, da sie sonst erheblich an Geschmack verlieren. Hättet ihr das gewusst? Ich jedenfalls habe das bisher immer falsch gemacht!


Zu guter Letzt geht es zur Verkostung. Wir probieren zwei Rotweine aus der Quinta (als eines der wenigen Weingüter im Dourotal stellt sie aufgrund ihrer günstigen Lage sowohl Wein als auch Portwein her - die meisten Quintas sind auf eines von beiden spezialisiert), einen Ruby Port sowie - mein Highlight - einen 30 Jahre alten Tawny Port. So vielschichtige Aromen - erst Tabak, dann Schokolade, dann Vanille, zum Schluss Gewürze - Wahnsinn! So steht dann auch fest: Ein Tawny Port muss mit! Für den 30-jährigen reicht unser Budget leider nicht, wir gönnen uns stattdessen eine Flasche 10-jährigen, der auch sehr lecker schmeckt. Wenn ihr Wein und Portwein mögt und beides gern in sehr hoher Qualität probieren wollt, kann ich euch einen Besuch in der Quinta da Pacheca nur empfehlen.


An der stürmischen Atlantikküste in São Jacinto

Damit neigte sich unser Aufenthalt im Norden Portugals leider schon dem Ende zu - einer der letzte Eindrücke kommt schließlich von der Atlantikküste. Auch wenn das Wetter leider die ganze Zeit über nicht zum Baden einlud, wollten wir doch einmal direkt ans Meer. In São Jacinto, auf einem schmalen Küstenstreifen zwischen der Lagune von Aveiro und dem Atlantik gelegen, geht es für uns an den Strand. Beeindruckend hoch branden die Wellen des Atlantiks an den Strand, der Wind tost, der Strand ist bis auf uns absolut menschenleer. Man versteht hier gleich, warum die portugiesische Atlantikküste ein Hotspot für Surfer ist!



Für mich war das eine tolle Erfahrung, weil man sich im Angesicht dieser Urgewalten wieder einmal bewusst wurde, wie klein man selbst und die eigenen Belange doch eigentlich sind, und weil man an diesem leeren Strand mit Wellen und Meeresrauschen noch einmal richtig die Seele baumeln und den Akku aufladen konnte. Dieses Gefühl habe ich für mich auch noch mit nach Hause genommen und versucht, mir ein Stück weit im Alltag zu bewahren...


Damit endet meine kleine Reiseberichterstattung zu Portugal. Ich hoffe, es hat euch gefallen und ihr habt jetzt auch Lust auf eine Reise in den äußersten Südwesten Europas!

*Alle Empfehlungen beruhen auf meiner persönlichen Meinung und sind weder mit den genannten Sehenswürdigkeiten und Restaurants abgestimmt noch von ihnen beeinflusst.

Donnerstag, 18. August 2016

Aprikosentarte mit Mandeln

Gerade gibt es ganz wunderbare, reife Aprikosen! Nicht zu sauer, nicht zu mehlig, sondern schön saftig und süß. Die schmecken mir nicht nur richtig gut morgens in meinem Joghurt mit Müsli, sondern man kann auch leckere Kuchen daraus machen. Für eine Familienfeier habe ich kürzlich diese Aprikosentarte mit Mandeln gebacken. Der Boden ist schön mürbe und lässt sich durch ein Ei und einen Schuss Weißwein (den ihr auch durch Wasser ersetzen könnt, wenn ihr keinen Alkohol verwenden wollt) auch ganz geschmeidig verarbeiten.


Und dass Aprikosen und Mandeln super-gut zusammen passen, muss ich ja eigentlich gar nicht mehr besonders betonen, oder? Mandeln kommen in der Tarte gleich dreimal zum Einsatz - gemahlen auf dem Boden, als Mandelsplitter vor dem Backen über die Tarte gestreut und (wer mag) auch in Form von einem Schuss Amaretto am Guss. Unten knusprig, oben saftig und fruchtig - eine rundum leckere Tarte, die einfach richtig gute Sommerlaune macht!

Die Tarte ist übrigens recht flach und nicht sehr mächtig, so dass ihr gut noch einen Löffel Schlagsahne oder eine Kugel Vanilleeis dazu genießen könnt ;-)

Rezept
für eine Tarteform (28 cm Durchmesser), eine normale Springform (26 cm) geht auch

für den Teig
220g Mehl
1 Prise Salz
125g kalte Butter
60g Zucker
1 Ei (M)
2 - 3 EL Weißwein (ersatzweise Wasser)
Butter für die Form
Mehl zum Arbeiten
Hülsenfrüchte zum Blindbacken

für den Belag
1 kg Aprikosen
2 EL gemahlene Mandeln
4 EL Zucker
2 Eier (M)
200g Sahne
2 EL Amaretto (nach Belieben)
5 EL Mandelsplitter

Für den Teig Mehl und Salz in einer Schüssel mischen. Die Butter in Flöckchen daraufgeben, Zucker darüberstreuen und das Ei mit dem Wein dazugeben. Alles in der Schüssel mit einem Messer zerhacken, dann mit den Händen erst rasch zu feinen Bröseln reiben, anschließend zu einem geschmeidigen Teig kneten. Teig zu einer Kugel formen, in Frischhaltefolie wickeln und mindestens 30 Min. im Kühlschrank ruhen lassen.

Den Backofen auf 200° (Umluft 180°) vorheizen. Eine Tarteform mit Butter einfetten. Den Teig auf einer mit Mehl bestäubten Arbeitsfläche dünn ausrollen und die Form damit auslegen, dabei einen Rand hochziehen. Den Teigboden mit einer Gabel mehrmals einstechen und mit Backpapier auslegen, Hülsenfrüchte darauf verteilen. Form in den Ofen (unten) schieben, den Teigboden 15 Min. vorbacken.

Für den Belag die Aprikosen waschen, halbieren und die Steine herauslösen. Den vorgebackenen Teig aus dem Ofen nehmen, die Temperatur auf 180° (Umluft 160°) reduzieren. Backpapier samt Hülsenfrüchten abnehmen. Den Teigboden mit gemahlenen Mandeln bestreuen, darauf die Aprikosen mit den Schnittflächen nach oben dicht an dicht legen und mit 2 EL Zucker bestreuen. Die Tarte für weitere 10 Min. in den Ofen (jetzt Mitte!) schieben.

Die Eier mit der Sahne, übrigem Zucker und nach Belieben Amaretto verquirlen (am besten mit den Schneebesen des Handrührgeräts). Den Guss über die Aprikosen gießen, die Mandelsplitter darüberstreuen und den Kuchen in 20-25 Min. fertig backen. Lauwarm, eventuell mit einer Kugel Vanilleeis, oder kalt genießen.

Quelle

Sonntag, 14. August 2016

Portugal, Teil 1: Lissabon-Guide & Food Diary

Ich kann mich noch genau an diesen Moment erinnern. An diesen warmen Abend Anfang Juni, an dem wir zum zweiten Mal in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon gelandet sind. An dem wir, ein klares Ziel vor Augen, nicht lange im Hotel Station machen, sondern uns gleich auf den Weg den Hügel hinauf nach Bairro Alto begeben. Ich spüre die warme Luft, die leichte Brise, rieche den Duft nach Meer und gebratenem Fisch, bestaune einmal mehr die unnachahmliche Mischung aus pittoresk verfallenden und klassisch-herrschaftlichen Gebäuden und bin glücklich. Glücklich wieder hier zu sein, im schönen Lissabon, am ersten Abend, noch einen herrlichen Urlaub vor uns. Und noch glücklicher beim Gedanken daran, was mich gleich erwarten wird. Denn wer ein zweites Mal in eine Stadt kommt, kennt schon die eine oder andere Ecke, die im Gedächtnis geblieben ist und die auch beim zweiten Besuch noch genauso viel Eindruck macht wie beim ersten Mal. 



Und dann ist es auch schon so weit, wir sind in Bairro Alto angekommen und links von uns tut sich der Ausblick vom Miradouro de São Pedro de Alcântara auf. Direkt unter uns die schicken Innenstadtviertel und die elegante Praça dos Restauradores mit ihrem Obelisken, gegenüber das mächtige Castello und am rechten Rand der Szenerie, in der Sonne glitzernd, der Tejo. Überhaupt, dieses Licht! Das letzte Mal habe ich diese Aussicht an einem grauen Novembertag bei leichtem Sprühregen erlebt. Dieses Mal nimmt mir der Blick auf die in goldene, mediterrane Abendsonne getauchte Stadt fast den Atem. Das ist wieder einer dieser magischen Reisemomente, die sich einbrennen, die ich auch im Nachhinein gedanklich immer mal wieder durchlebe und unter anderem wegen denen sich das Reisen so lohnt...





Mit diesem kleinen und für mich doch sehr einprägsamen Moment begann vor knapp zwei Monaten unsere Portugalreise. Nachdem wir vor 1,5 Jahren bereits einmal fünf Tage in Lissabon verbracht hatten und uns die Stadt (trotz des eher enttäuschenden Novemberwetters) in fantastischer Erinnerung geblieben war, wollten wir nun noch mehr von Portugal kennenlernen. Schnell stand unser Plan: Da wir in Lissabon beim letzten Mal nicht alles gesehen hatten, was uns interessierte, wollten wir noch einmal zwei Tage in der schönen Stadt am Tejo verbringen. Für den Hauptteil unseres Urlaubs zog es uns jedoch in den Norden Portugals, wir mieteten ein Ferienhaus ca. 30 Kilometer südlich von Porto und nah am Meer, um uns Porto, das Dourotal sowie die portugiesische Atlantikküste anzuschauen. Selbstverständlich habe ich einige schöne Fotos sowie kulinarische Tipps mitgebracht, die ich mit euch teilen möchte. Im ersten Teil meines Reiseberichts geht es heute um Lissabon, und in Kürze nehme ich euch dann noch mit nach Porto und ins Dourotal!



Meeresfrüchte in Perfektion in der Marisqueira M

An unserem ersten Abend in Lissabon führte uns unser Weg nicht nur des tollen Ausblicks vom Miradouro wegen nach Bairro Alto - nein, wir hatten ein ganz bestimmtes Ziel! Unserer Erfahrung nach können die Portugiesen zwei Dinge wirklich fantastisch: Meeresfrüchte und süßes Gebäck! An diesem Abend waren die ersteren unser Ziel, und dabei wollten wir nichts dem Zufall überlassen. Nachdem wir bei unserem letzten Lissabon-Besuch rein zufällig die Marisqueira M, ein auf Fisch und Meeresfrüchte spezialisiertes Lokal in der Rua do Norte in Bairro Alto, entdeckt hatten, stand für uns fest: Hier müssen wir wieder hin! Damit unserem Vorsatz nichts entgegensteht, hatten wir vorsichtshalber schon von Deutschland aus einen Tisch reserviert, was sich an diesem trubeligen Freitagabend als clever erwies. Das Restaurant war brechend voll, insbesondere mehrere größere Gruppen Einheimischer feierten mit reichlich Wein und Meeresfrüchten den Start der Fußball-EM an jenem Abend. Für Fußball interessierten wir uns weniger als für die Speisekarte, die erneut allerlei Gutes fangfrisch aus dem Meer verhieß...


Zunächst wartete eine kleine Vorspeise auf uns. In der Marisqueira M bekommt man eine Auswahl an Vorspeisen ungefragt an den Tisch gebracht. Es handelt sich hier nicht um einen Gruß aus der Küche, was ihr davon esst, müsst ihr auch zahlen. Darauf weist das freundliche und umsichtige Servicepersonal jedoch auch noch einmal explizit hin und zeigt euch die Preise für die kleinen Köstlichkeiten. Selbstverständlich habt ihr immer die Möglichkeit, sie einfach stehen zu lassen und euch ggf. aus der Karte eine andere Vorspeise auszusuchen, die euch mehr zusagt. Wir nehmen das (nicht überteuerte) Angebot jedoch gern an und machen uns über die Häppchen her. Es handelt sich um einen Brotaufstrich aus Krebsfleisch, einen Salat mit Kichererbsen, Stockfisch und reichlich Zwiebeln, eine Schale mit marinierten Oliven sowie einen Korb mit frischem Weißbrot. Alles ist von ausgezeichneter Qualität und macht so richtig Lust auf mehr!


Für mich steht die Wahl des Hauptgerichts schon seit langem fest, denn seit ich 1,5 Jahre zuvor in der Marisqueira M den fantastischen Arroz de marisco probiert habe, träume ich davon, dieses Gericht noch einmal zu essen... Arroz de marisco ist die portugiesische Variante der Paella. Der Reis ist im Gegensatz zur Paella, wo er ja eine schöne knusprige Kruste haben sollte, nicht angebraten, sondern wird in reichlich Flüssigkeit serviert. Dabei handelt es sich um eine tomatige Sauce, die mit viel frischem Koriander gewürzt ist und, wie ich finde, fantastisch schmeckt! Im Arroz de marisco verstecken sich Garnelen, Venusmuscheln und Hummerstücke. Er wird in einem kleinen Topf mit Schöpfkelle serviert, die Menge reicht bequem, um sich drei- bis viermal den Teller zu füllen, und das für unschlagbare 11,90 Euro ;-) Wenn ihr gern Meeresfrüchte esst und nichts gegen Koriander-Aroma habt, ist das meine absolute Empfehlung für euch!


Am Ende dieses Abends in der Marisqueira M sind wir satt und zufrieden (jedoch nicht so satt, dass auf einem Straßenfest in Bairro Alto nicht anschließend noch ein paar Churros in uns reinpassen würden... :-)), und auch der Plan für den nächsten Abend steht. Denn wir wollen noch einmal so leckere Meeresfrüchte essen, insbesondere die tollen Meeresfrüchte-Platten, die wir an den Nebentischen sehen, haben es uns angetan... und es stellt sich die Frage: Werden wir ebenso zufrieden sein, wenn wir ein neues Lokal ausprobieren?! Hmmm... schwierige Angelegenheit, denn natürlich sind wir experimentierfreudig und offen gegenüber Neuem... in diesem Fall gilt es jedoch, kein Risiko einzugehen, und so reservieren wir für den nächsten Abend wieder in der Marisqueira M - das sagt ja jetzt alles über dieses Restaurant, oder?! Ganz dem Vorsatz des Vorabends entsprechend bestellen wir am nächsten Abend die große Meeresfrüchteplatte für zwei und werden nicht enttäuscht. Auf der Platte befinden sich zwei halbe Hummer, diverse Garnelen und Langustinos sowie ein flacher Krebs, außerdem Schälchen mit Krebsfleischaufstrich, Zitronenbutter und Aioli. Die Qualität der knackig-frischen Meeresfrüchte überzeugt absolut und lässt auch jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, wieder die Sehnsucht nach Portugal aufkommen. Na ich denke, ihr habt die Botschaft verstanden: Wenn ihr in Lissabon seid und Meeresfrüchte mögt - auf in die Marisqueira M!


Zwischen Prunk, Eleganz und Kommerz: Baixa, Chiado und Praça do Comércio

Am nächsten Tag verlassen wir unser Hotel bei strahlendem Sonnenschein und machen uns zu Fuß auf den Weg die Avenida da Liberdade hinunter ins klassische Herz von Lissabon. Wenig später passieren wir die elegante Praça dos Restauradores und den Rossio, die beide mit monumentalen Obelisken und prächtigen Gebäuden ringsherum aufwarten.


Mit großer Freude stelle ich am Rossio fest, dass der Santa Justa-Lift, der seine Fahrgäste von der tieferliegenden Innenstadt nach Bairro Alto bringt, nicht mehr, wie bei unserem letzten Besuch, eingerüstet ist. Durch die eleganten Einkaufsstraßen der Baixa, die an diesem Samstagmittag gut besucht sind, geht es immer weiter gen Tejo, bis sich direkt am Ufer ein weiter Platz zum Fluss hin öffnet... die prächtige Praça do Comércio.


So langsam wird es Zeit für ein Mittagessen - wie praktisch, dass direkt an der Praça do Comércio ein weiterer kulinarischer Geheimtipp unseres letzten Lissabon-Urlaubs wartet: die Ministerium Cantina! Nun wird sich der ein oder andere sicher denken, hm, kulinarischer Geheimtipp, an einem der größten Plätze der Stadt?! Aber für uns ist es eben doch ein Geheimtipp, denn im Gegensatz zu dem, was an solchen Plätzen allgemein üblich wäre, handelt es sich hier keineswegs um eine Touristenfalle. Die Karte bietet diverse kleine Vorspeisen und Tapas, Snacks wie z.B. einige ausgefallene Burger- und Sandwich-Kreationen, aber auch mehrere Hauptgerichte. Natürlich ist es hier, auf einem der belebtesten Plätze Lissabons direkt am Ufer des Tejo, etwas teurer als in der Marisqueira M, die Preise sind aber noch im Rahmen (Hauptgerichte 15 - 20 Euro), und das Sehen-und-Gesehen-Werden gibt's umsonst ;-) In der Ministerium Cantina habe ich vor 1,5 Jahre den besten gegrillten Lachs meines Lebens gegessen, der zerfloss richtig auf der Zunge! Leider steht der Lachs so nicht mehr auf der Karte, es gab bei uns aber stattdessen einen Lachs-Avocado-Burger im schwarzen Brötchen und ein klassisches Club Sandwich, beide mit hausgemachten Pommes - sehr lecker!



Den Törtchen auf der Spur: Belém und die berühmten Pastéis

Auch nach dem Mittagessen sind wir weiterhin in kulinarischer Mission unterwegs - und nun wird es süß! Wie oben schon erwähnt stechen unserer Erfahrung nach in der portugiesischen Küche vor allem zwei Dinge hervor: Neben den ausgezeichneten Fisch- und Meeresfrüchte-Gerichten sind dies die traumhaften Gebäckspezialitäten! Schon bei unserem ersten Lissabon-Aufenthalt, als wir in einer Ferienwohnung übernachtet und immer morgens in einer Bäckerei eingekauft haben, sind uns die Unmengen an Törtchen, Keksen & Co. aufgefallen und wir haben regelmäßig zugeschlagen. An einer Leckerei kommt man dabei nicht vorbei: den Pastéis de Nata bzw. Pastéis de Belém! Die kleinen Blätterteigtörtchen mit einer Vanillepudding-Füllung sind eine echte Spezialität Lissabons, denn der Legende nach wurden sie im 17. Jahrhundert von Mönchen im Kloster Mosteiro dos Jerónimos im Lissabonner Stadtteil Belém erfunden. Nach der Schließung des Klosters im Jahr 1834 verkauften die Mönche ihr Rezept an eine Zuckerraffinerie. Bereits seit 1837 werden die berühmten Törtchen von der Pastelaria Casa Pastéis de Belém unweit des Klosters nach dem Originalrezept der Mönche zubereitet.



Da wir große Fans der kleinen Törtchen sind, stand fest, dass uns unser Weg nun nach Belém führen sollte! Und so machten wir uns zu Fuß immer am Ufer des Tejo entlang auf den Weg... zumindest, soweit dieser auch wirklich am Ufer entlangführte. Leider ist das nur die erste und die letzte Viertelstunde des ca. 1,5 stündigen Wegs von der Praça do Comércio nach Belém der Fall. Zwischendurch ist das Tejo-Ufer von Hafen- und Industrieanlagen gesäumt und wir müssen an der Straße hinter diesen Gebäuden entlanglaufen, ohne einen Blick auf den Fluss erhaschen zu können. Daher der Rat an euch, wenn ihr nach Belém wollt: Fahrt lieber mit der Straßenbahn! Wie gesagt, große Teile des Wegs sind nicht sehenswert und ihr kommt nur kaputt und mit schmerzenden Füßen an ;-) Wir haben die Strecke schließlich geschafft und begeben uns zur berühmten Pastelaria, von der aus man auch das Mosteiro dos Jerónimos sieht. Außerdem sieht man... eine lange Schlange vor der Pastelaria! Aber keine Bange, auch wenn es abschreckend aussieht, es geht schnell voran, denn man kann die Pastéis nur in festgelegter Anzahl kaufen (3 Stück, 6 Stück, etc.), bestellt und bezahlt an einem Schalter und holt an einem anderen gleich darauf das noch warme Gebäck ab.


Dieses kann man auch direkt in der Pastelaria essen, was ich euch jedoch nicht empfehle. Auch wenn die Törtchen köstlich sind, die Atmosphäre drinnen zeugt doch von Massenabfertigung und ist alles andere als gemütlich. Wenn es das Wetter zulässt, schnappt euch lieber eure Pastéis und geht in den Park direkt gegenüber, sucht euch ein lauschiges Plätzchen, beobachtet das rege Treiben und natürlich... genießt eure Pastéis! Ich muss tatsächlich sagen, der Hype um die Pastéis aus dieser traditionellen Pastelaria ist gerechtfertigt. Wir haben in Portugal schon viele Pastéis gegessen, aber das waren wirklich die besten. Wahnsinnig knuspriger Teig, eine zarte Füllung, die ganz leicht nach Zitrone schmeckt, die Törtchen noch herrlich warm, und Zimt und Zucker extra abgepackt zum Drüberstreuen... hmmmmmm!



Mit den Pastéis de Belém und unserem zweiten fantastischen Essen in der Marisqueira M neigt sich unser kurzer Besuch in Lissabon auch schon seinem Ende zu. Am nächsten Tag besuchen wir noch kurz ein Straßenfest in Bairro Alto und lassen uns dort die frisch gegrillten Sardinen schmecken, bevor wir in unser Taxi zum Flughafen steigen. Doch auf die Frage des Taxifahrers "Going back home today?" kann ich dieses Mal nur zufrieden lächeln. Nein, es geht noch nicht nach Hause... wir holen unseren Mietwagen ab und machen uns anschließend auf gen Norden! Und dahin nehme ich euch im nächsten Reise-Artikel mit.


Einige weitere Tipps für Lissabon

Wie schon erwähnt waren wir bereits vor 1,5 Jahren einige Tage in Lissabon - damals habe ich noch keine Reise-Artikel auf dem Blog veröffentlicht. Aber natürlich möchte ich euch einige Sightseeing-Tipps von damals jetzt nicht vorenthalten:

Miradouro Sophia de Mello (Miradouro da Graça)
Für mich der schönste Miradouro (Aussichtspunkt), den ich in Lissabon besucht habe... und es waren viele! Eigentlich eher eine Zufallsentdeckung, da unsere damalige Ferienwohnung unweit des Miradouros in Graça lag. Aber nicht nur die Atmosphäre am Miradouro selbst ist lauschig, der Ausblick auf die Altstadt, aufs Castello und auf den Tejo mit der Brücke des 25. April (der Golden Gate Bridge nachempfunden) wird euch begeistern - es lohnt sich sowohl bei Tag als auch bei Nacht!


Alfama
Wenn ihr am Miradouro Sophia de Mello wart, folgt ihr am besten am Largo da Graça dem Weg der Tram 28 den Berg hinab. Ich rate jedoch, das zu Fuß zu machen - auch wenn die historischen Straßenbahnen nicht sehr schnell sind, sie sind doch nicht langsam genug, als dass ihr alles fotografieren könntet, was sich hier bietet! Alfama ist ein sehr, sehr vielseitiges Viertel, neben liebevoll restaurierten Häusern mit schmucken Details finden sich immer wieder richtige Ruinen, alteingesessene Bewohner mischen sich mit Künstlern, Wäscheleinen über der Straße mit Streetart... Wir haben hier alleine für ein Stück Straße von nicht einmal 100 Metern eine halbe Stunde gebraucht, weil es so viel zu bestaunen und zu fotografieren gab... für Street-Fotografie ein Traum!


Castello
Natürlich lohnt auch das Castello, die mächtige Burg auf einem Hügel über der Altstadt, einen Besuch. Bei der Umrundung der Burg bieten sich viele tolle Ausblicke auf die Stadt und den Fluss, und es macht einfach Spaß, auf all die Türme und Zinnen zu kraxeln. Dafür sollte man mindestens zwei bis drei Stunden einplanen.


Elevador de Santa Justa
Lissabon hat viele besondere Verkehrsmittel zu bieten - von den alten Straßenbahnen über die Standseilbahnen, die sich steile Hügel hinaufquälen, bis hin zum Santa Justa-Lift. Der Fahrstuhl in wunderschönem gotischem Stil bringt seine Fahrgäste von der tiefergelegenen Innenstadt (Baixa) nach Bairro Alto. Auf dem Dach des Aufzugs gibt es eine Aussichtsplattform, die einen tollen Blick über die Innenstadt bietet - man ist quasi "mittendrin". Anschließend geht es über eine Brücke vom Aufzug hinüber nach Bairro Alto.


Oceanário
Und noch ein letzter Tipp, falls es doch einmal schlechtes Wetter geben sollte: Das Oceanário, das zweitgrößte Meeresaquarium der Welt, besticht mit beeindruckender moderner Architektur ebenso wie mit der atemberaubenden ozeanischen Tier- und Pflanzenwelt, die man in verschiedenen Themenbecken erleben kann. Ich war sehr positiv überrascht und kann einen Besuch wirklich empfehlen!

Und wer noch mehr Infos über Lissabon möchte, sollte sich einmal dieses Reisevideo von meinem Freund auf dem Youtube-Kanal seines Blogs On The Road Again anschauen :-)

*Alle Empfehlungen beruhen auf meiner persönlichen Meinung und sind weder mit den genannten Sehenswürdigkeiten und Restaurants abgestimmt noch von ihnen beeinflusst.